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| - | Einen Monat nach ihrem Tode erhielt ich einen Brief von meiner Mutter; sie schrieb mir, da sie keine Möglichkeit sehe, nach Venedig zurückzukehren, | + | Einen Monat nach ihrem Tode erhielt ich einen Brief von meiner Mutter; sie schrieb mir, da sie keine Möglichkeit sehe, nach Venedig zurückzukehren, |
| Die Hausmiete war bis zum Ende des Jahres bezahlt. | Die Hausmiete war bis zum Ende des Jahres bezahlt. | ||
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| Ich ging sofort zu Herrn Rosa, um ihm über das Vorgefallene zu berichten; da er mir riet, ich solle alles tun, was Herr Grimani verlange, so erklärte ich mich einverstanden. Übrigens war der Ausgang der Sache eine Genugtuung für mich, um so mehr, da die Einladung zum Mittagtisch mich ehrte. Auch war ich sehr neugierig auf meine neue Wohnung bei der Tintoretta, denn von diesem Mädchen wurde viel gesprochen wegen eines Fürsten von Waldeck, der große Ausgaben für sie machte. | Ich ging sofort zu Herrn Rosa, um ihm über das Vorgefallene zu berichten; da er mir riet, ich solle alles tun, was Herr Grimani verlange, so erklärte ich mich einverstanden. Übrigens war der Ausgang der Sache eine Genugtuung für mich, um so mehr, da die Einladung zum Mittagtisch mich ehrte. Auch war ich sehr neugierig auf meine neue Wohnung bei der Tintoretta, denn von diesem Mädchen wurde viel gesprochen wegen eines Fürsten von Waldeck, der große Ausgaben für sie machte. | ||
| Der Bischof sollte im Laufe des Sommers eintreffen; ich brauchte also höchstens noch sechs Monate in Venedig zu warten, um in eine Laufbahn einzutreten, | Der Bischof sollte im Laufe des Sommers eintreffen; ich brauchte also höchstens noch sechs Monate in Venedig zu warten, um in eine Laufbahn einzutreten, | ||
| - | Um die Mittagszeit ging ich zu Herrn Grimani, wo ich neben Razzetta sitzen mußte – für mich eine unangenehme Gesellschaft; | + | Um die Mittagszeit ging ich zu Herrn Grimani, wo ich neben Razzetta sitzen mußte – für mich eine unangenehme Gesellschaft; |
| Fräulein Tintoretta, die ich nicht persönlich kannte, über deren Lebenswandel und Charakter ich aber ganz gut Bescheid wußte, war eine mittelmäßige Tänzerin, weder schön noch häßlich, aber ein geistreiches Mädchen. Der Fürst von Waldeck gab viel Geld für sie aus, aber er hatte nichts dagegen, daß sie ihren früheren Beschützer beibehielt; dies war ein edler Venezianer aus der jetzt erloschenen Familie Lin; er war damals sechzig Jahre alt und hielt sich den ganzen Tag bei ihr auf. | Fräulein Tintoretta, die ich nicht persönlich kannte, über deren Lebenswandel und Charakter ich aber ganz gut Bescheid wußte, war eine mittelmäßige Tänzerin, weder schön noch häßlich, aber ein geistreiches Mädchen. Der Fürst von Waldeck gab viel Geld für sie aus, aber er hatte nichts dagegen, daß sie ihren früheren Beschützer beibehielt; dies war ein edler Venezianer aus der jetzt erloschenen Familie Lin; er war damals sechzig Jahre alt und hielt sich den ganzen Tag bei ihr auf. | ||
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| und der begleitende Offizier stellt mich dem Major vor, dem er gleichzeitig einen Brief übergibt. Dieser liest den Brief und befiehlt sodann seinem Adjutanten, Herrn Zeno, mich in die Wachtstube zu bringen. Eine Viertelstunde später sah ich meine Begleiter wieder abfahren, und Herr Zeno brachte mir dreieinhalb Lire, indem er mir sagte, soviel würde ich jede Woche erhalten. Es war genau die Löhnung eines gemeinen Soldaten. | und der begleitende Offizier stellt mich dem Major vor, dem er gleichzeitig einen Brief übergibt. Dieser liest den Brief und befiehlt sodann seinem Adjutanten, Herrn Zeno, mich in die Wachtstube zu bringen. Eine Viertelstunde später sah ich meine Begleiter wieder abfahren, und Herr Zeno brachte mir dreieinhalb Lire, indem er mir sagte, soviel würde ich jede Woche erhalten. Es war genau die Löhnung eines gemeinen Soldaten. | ||
| - | Ich verspürte in mir keinen Zorn, aber ich war durchdrungen vom stärksten Unwillen. Gegen Abend ließ ich mir etwas zum Essen kaufen, um nicht vor Hunger zu sterben; hierauf streckte ich mich auf das Feldbett aus und verbrachte die ganze Nacht inmitten der Soldaten, ohne ein Auge zu schließen; denn diese Slavonier sangen unaufhörlich, | + | Ich verspürte in mir keinen Zorn, aber ich war durchdrungen vom stärksten Unwillen. Gegen Abend ließ ich mir etwas zum Essen kaufen, um nicht vor Hunger zu sterben; hierauf streckte ich mich auf das Feldbett aus und verbrachte die ganze Nacht inmitten der Soldaten, ohne ein Auge zu schließen; denn diese [[glossary: |
| Am nächsten Morgen, zu sehr früher Stunde, ließ Major Pelodoro – so hieß der Kommandant des Forts – mich zu sich kommen und sagte mir: indem er mich die Nacht in der Wachtstube habe verbringen lassen, habe er nur dem Befehl gehorcht, den er aus Venedig vom Kriegsminister, | Am nächsten Morgen, zu sehr früher Stunde, ließ Major Pelodoro – so hieß der Kommandant des Forts – mich zu sich kommen und sagte mir: indem er mich die Nacht in der Wachtstube habe verbringen lassen, habe er nur dem Befehl gehorcht, den er aus Venedig vom Kriegsminister, | ||
edition/conrad/006.1294605369.txt.gz · Last modified: 2011/01/09 21:36 by selfthinker