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-Nec sum adeo inferior: nuper me in litore vidi+Nec sum adeo inferior: nuper me in litore vidi\\
 Cum placidum ventis staret mare. Cum placidum ventis staret mare.
 ((Auch nicht bin ich so schlecht von Gestalt; mich sah ich am Ufer  ((Auch nicht bin ich so schlecht von Gestalt; mich sah ich am Ufer 
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 <q :la>Laudibus arguitur vini vinosus Homerus. ((Weil er den Wein gelobt, gilt als Weintrinker Homerus.))</q> <q :la>Laudibus arguitur vini vinosus Homerus. ((Weil er den Wein gelobt, gilt als Weintrinker Homerus.))</q>
  
-Ich liebte alle scharfgewürzten Speisen: Makkaronipastete von einem guten neapolitanischen Koch, die Ollapotrida der Spanier, recht klebrigen Neufundländer Stockfisch, Wildpret im höchsten Stadium des Duftes und von Käse gerade diejenigen Sorten, deren Vollendung sich dadurch zeigt, daß die Tierchen, die sich in ihnen bilden, sichtbar werden. Stets fand ich süß den Geruch der Frauen, die ich geliebt habe.+Ich liebte alle scharfgewürzten Speisen: Makkaronipastete von einem guten neapolitanischen Koch, die [[glossary:olla podrida|Ollapotrida]] der Spanier, recht klebrigen Neufundländer Stockfisch, Wildpret im höchsten Stadium des Duftes und von Käse gerade diejenigen Sorten, deren Vollendung sich dadurch zeigt, daß die Tierchen, die sich in ihnen bilden, sichtbar werden. Stets fand ich süß den Geruch der Frauen, die ich geliebt habe.
  
 Was für ein verderbter Geschmack! wird man sagen; welche Schamlosigkeit, ihn ohne Erröten einzugestehen! Diese Kritik macht mich lachen; denn ich glaube, dank meinem derben Geschmack glücklicher zu sein als andere Menschen; ich bin überzeugt, daß er mich genußfähiger macht. Glücklich, wer sich Genüsse zu verschaffen weiß, ohne anderen zu schaden! Töricht, wer sich einbildet, das höchste Wesen könnte Wohlgefallen daran finden, daß ihm zum Opfer Schmerzen, Qualen und Entbehrungen geweiht werden, und es liebe nur die Überschwänglichen, die sich dergleichen auferlegen. Gott kann von seinen Geschöpfen nur die Betätigung jener Tugenden verlangen, deren Keime er in ihre Seele gelegt hat; er gab uns alles nur, um uns glücklich zu machen: Eigenliebe, ehrgeiziges Streben nach Beifall, Nachahmungstrieb, Kraft, Mut und schließlich etwas, das keine Gewalt uns nehmen kann: die Möglichkeit, uns selber zu töten, wenn wir nach einer richtigen oder falschen Berechnung so unglücklich sind, unsere Rechnung dabei zu finden. Dieses ist der stärkste Beweis für unsere moralische Freiheit, die der [[glossary:sophism|Sophismus]] so scharf bestritten hat. Die Natur jedoch sträubt sich gegen den Selbstmord, und mit Recht müssen alle Religionen ihn verbieten. Was für ein verderbter Geschmack! wird man sagen; welche Schamlosigkeit, ihn ohne Erröten einzugestehen! Diese Kritik macht mich lachen; denn ich glaube, dank meinem derben Geschmack glücklicher zu sein als andere Menschen; ich bin überzeugt, daß er mich genußfähiger macht. Glücklich, wer sich Genüsse zu verschaffen weiß, ohne anderen zu schaden! Töricht, wer sich einbildet, das höchste Wesen könnte Wohlgefallen daran finden, daß ihm zum Opfer Schmerzen, Qualen und Entbehrungen geweiht werden, und es liebe nur die Überschwänglichen, die sich dergleichen auferlegen. Gott kann von seinen Geschöpfen nur die Betätigung jener Tugenden verlangen, deren Keime er in ihre Seele gelegt hat; er gab uns alles nur, um uns glücklich zu machen: Eigenliebe, ehrgeiziges Streben nach Beifall, Nachahmungstrieb, Kraft, Mut und schließlich etwas, das keine Gewalt uns nehmen kann: die Möglichkeit, uns selber zu töten, wenn wir nach einer richtigen oder falschen Berechnung so unglücklich sind, unsere Rechnung dabei zu finden. Dieses ist der stärkste Beweis für unsere moralische Freiheit, die der [[glossary:sophism|Sophismus]] so scharf bestritten hat. Die Natur jedoch sträubt sich gegen den Selbstmord, und mit Recht müssen alle Religionen ihn verbieten.
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-Excitat auditor studium, laudataque virtus Crescit et immensum gloria calcar habet.+Excitat auditor studium, laudataque virtus\\ 
 +Crescit et immensum gloria calcar habet.
 ((Eifer wird durch Hörer belebt, es wächst die gelobte Tugend, mit schärfstem Sporn treibet den Menschen der Ruhm.)) ((Eifer wird durch Hörer belebt, es wächst die gelobte Tugend, mit schärfstem Sporn treibet den Menschen der Ruhm.))
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